Mariä Unbefleckte Empfängnis Orsenhausen

Unsere Pfarrkirche ist keine Barockkirche, wie man sie sich für Oberschwaben typisch vorstellt. Orsenhausen gehörte lange zur Herrschaft der Familie Rodt- Bußmannshausen,
die drei Konstanzer Fürstbischöfe stellte. Der vorletzte Konstanzer Bischof und letzte Spross seiner Familie Maximilian Christoph von Rodt ließ 1787/88 nach Blitzschlag die alte gotische Kirche bis auf den Turm und die Grundmauern des Chorraumes abbrechen und die Kirche im damaligen, sehr modernen Louis- Seize- Stil errichten.
Dieser Kunststil ist nach König Ludwig XVI. von Frankreich benannt. Er wendet sich vom verspielten Rokoko des 18.Jahrhunderts ab und wendet sich der Antike zu, wie man sie sich damals vorgestellt hat. Dazu gehören die Verwendung von antiken Säulenordnungen, urnenartige Vasen und Festons, das sind Verzierungen mit gemalten oder modellierten Tüchern oder Kranzbändern, die durch Ringe gezogen sind. Das finden wir alles in unserer Kirche. Dieser frühe Klassizismus konnte im barocken Oberschwaben nie ganz heimisch werden, weil er doch zu streng und zu kühl wirkte und nicht unbedingt ein sakraler Stil ist. Kirchen holen damit nicht den Himmel auf die Erde wie im Barock, sondern schaffen damit irdische Räume für das Fest. Damit steht dieser Kunststil schon in der Tradition der Aufklärung, die für die beliebten bunten Puttenengelchen (wie in Bußmannshausen) und den verzückten Überschwang figürlicher Darstellung (wie am Schwendier Hochaltar) nichts übrig hatte. Deshalb wirken die wenigen gemalten Putten wie zu Statuen erstarrt, zieren die Altartische auf der Frontseite Festons und gemalte Urnenvasen. Die Kunst sollte natürlich und klar wirken und dafür bot sich die griechisch-römische Antike an. Aus diesem Grund finden wir aus der griechischen Säulenordnung als Raumgliederung ionische Pilaster, das sind die Halbsäulen zwischen den Fenstern.
Die Umwälzungen der 1789 beginnenden französischen Revolution künden sich in dieser Kunstrichtung schon an. Die einzigen Kirchen in unserer näheren Umgebung in gleicher Ausführung sind die Oberdischinger Dreifaltigkeitskapelle oder die Pfarrkirche von Unterkirchberg. Ganz wollte man auf die barocke Illusion aber nicht verzichten, die Kirche musste Altäre haben auch wenn sie nur gemalt waren. Im neunzehnten Jahrhundert wurde auch diese Kunstrichtung nicht mehr verstanden und die Altäre wurden durch „richtige“ im Neorenaissancestil ersetzt. Diese wurden aber schon 1934 entfernt und die Fresken mit den Altarbildern wieder aufgedeckt.

Pfarrer Martin Ziellenbach