Kapelle in Großschafhausen

Kapelle "Gegeißelter Heiland"

Der gegeißelte Heiland

Hinter dem Haupteingang der Kirche in Großschafhausen in nördlicher Richtung, integriert in die denkmalgeschützte Friedhofsmauer, befindet sich eine kleine Kapelle, in der die Statue des an eine Säule angeketteten gegeißelten Heilands steht. Über die umgebenden Wände unterhalb der Decke ist geschrieben:
„Eine größere Liebe hat niemand, -als wer sein Leben hingibt für seine Freunde....Joh. 15/13“
An der linken Wand erinnert eine Gedenktafel an die im ersten Weltkrieg und an der rechten Seitenwand eine Gedenktafel an die im zweiten Weltkrieg aus der Kirchengemeinde Großschafhausen gefallenen Soldaten.

Die kleine Kapelle mit dem gegeißelten Heiland stand aber nicht von jeher an diesem Ort neben der Kirche. Der ursprüngliche Standort war einst in einem Garten innerhalb des Ortes an der Straße, die von Großschafhausen nach Wain führt.
Dort stand die Kapelle zwischen zwei Bäumen, die das Innere der Kapelle sehr dunkel machten. Damals, so erzählt man sich, war der Mantel des Gegeißelten in brauner Farbe, heute ist er blau. Für die Kinder von damals war die zwei Meter hohe Statue des gegeißelten Heilands furchterregend. Auch wer heute vor IHM steht, bekommt vielleicht ein beklemmendes Gefühl, auch vielleicht darüber, was die Menschheit IHM angetan hat.
Solange die Kapelle an der Wainer Straße stand, gab es viele Landstreicher (Obdachlose), die auf der Durchreise oft eine Nacht beim gegeißelten Heiland verbrachten. Denn sie und andere Arme und Bedürftige wussten, dass sie was erhielten, wenn manche Bauersfrauen ihren Brotbacktag hatten. Die Frauen legten nämlich immer ein kleines Brot zum Heiland in die Kapelle. Dies bescherte dem gegeißelten Heiland viel Besuch.

In der Zeit von 1936 bis 1952, als Herr Pfarrer Franz Xaver Kloos für die Kirchengemeinde Großschafhausen zuständig war, wurde die Kapelle vom Standort Wainer Straße auf den heutigen Platz neben der Kirche umgesetzt. Ursache dafür war wohl der Ausbau der Wainer Straße, die bis zu diesem Zeitraum nur aus einem Kiesweg bestand.

Im Zuge der letzten Außenrenovierung der Kirche im Jahre 2008 wurde die Kapelle renoviert und, da der Zahn der Zeit an der Statue des gegeißelten Heilands genagt hatte, auch sie restauriert. Um einen erneuten großen Wurmbefall abzuwenden, war im Jahre 2020 eine Wurmbehandlung und Auffrischung der Farbe der Statue notwendig.

Wenn Sie jetzt den gegeißelten Heiland in der Kapelle besuchen, haben Sie die Möglichkeit, auf einer von einem Großschafhauser im Jahre 2015 erstellten und auch gestifteten Bank zu verweilen und Ihre Anliegen dem von uns Menschen gepeinigten Heiland vorzutragen.

Text: Petra Gräter und Donatus Kaplan